Sommerfahrt 2018

MECKLENBURG – Güstrow und Schwaan
Einladende Städte

Früh morgens am 18. August um 7.00 Uhr startete der angenehme Anker-Fernreisebus von Bleckede nach Mecklenburg. 

Erholsam die erste Pause vor Schwerin. Die sommerliche Luft machte gute Laune.

Gegen 10.00 Uhr erreichte der Bus die Residenzstadt Güstrow. Am Barlach-Atelierhaus erwartete man bereits die Bleckeder Reisegesellschaft. In jeweils zwei Gruppen wurden die Besucher durch die Gebäude geführt. Die Stadtführerinnen gaben einen interessanten Einblick in Barlachs Leben, das untrennbar mit seiner künstlerischen Entwicklung verbunden ist. Ein Aufenthalt in Russland beeinflusste den Künstler auf intensive Weise. Sie zeigt sich deutlich in der Darstellung seiner Plastiken. Der „typische Barlach“ wird sichtbar. Ernst Barlach macht den einfachen  Menschen in seinem Leiden, seiner Freude oder seiner Arbeit zum großen Kunstwerk. Als Teilnehmer des ersten Weltkrieges erlebte er die Schrecken jener Zeit und verarbeitet sie künstlerisch. Er wird ein Mahner für den Frieden. Erst 1978 wird die Gedenkstätte zugänglich. Westliche Besucher wollen sehen, was der große Künstler Ernst Barlach in seinem Leben geschaffen hat. De politische Führung der DDR kann sich daraufhin einer Öffnung des Barlach-Hauses nicht mehr verschließen. 

Jetzt hat der größte Teil des Barlach-Nachlasses dort eine Bleibe gefunden. Mit bewegenden Eindrücken wird das Atelierhaus am Güstrower Inselsee für den Stadtrundgang verlassen, der zum größten Renaissance-Schloss Norddeutschlands führt. Nach einer weiteren Teilung Mecklenburgs residierte im 16. Jahrhundert Herzog Ulrich von Mecklenburg in Güstrow. Seine Frau Elisabeth, eine dänische Königstochter, wollte standesgemäß wohnen. 

Sie verfügte über passende Mitgift und so konnte Ulrich den italienischstämmigen Baumeister Franz Parr aus Schlesien mit Baumaßnahmen beauftragen. Unverkennbar ist am Baudenkmal der Einfluss der italienischen Renaissance zu erkennen. Nach dem Aussterben dieser mecklenburgischen Linie widerfährt dem historischen Gebäude eine wechselvolle Geschichte von Anbauten, Abrissen nd Verfall. Genutzt wird es z vielen Zwecken. Sogar Wallenstein hat dort 1628 – 1630 residiert. Heute ist es Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird restauriert. Zum Schloss gehört einer der in Deutschland seltenen Renaissance-Gärten. Ein sehenswertes Areal bedeutender Gartenkultur. Vom Schloss führte der direkte Weg zum Dom. Aus Angst vor dem Jüngsten Gericht hat Herzog Heinrich Borwin II. s den Dom auf seinem Sterbebett gestiftet. Die geschichtlichen Informationen erhielt die Reisegruppe vor dem Dom, denn im Dom durfte nicht gesprochen werden, weil eine neue Orgel gestimmt wurde. Im Dom hängt Ernst Barlachs „Schwebender Engel“ zum Gedenken an die Opfer des ersten Weltkrieges. Das Antlitz des Engels ähnelt dem Gesicht von Barlachs Künstlerfreundin Käthe Kollwitz, deren Sohn im ersten Weltkrieg gefallen ist.

Nach diesen eindrucksvollen Erlebnissen erwartete die Reisenden erneut eine Überraschung. Im beschaulichen Städtchen Schwaan hat es eine Künstlerkolonie gegeben. 1892 sollen sich im Ort einheimische und zugezogene Künstler zusammengefunden haben. Begründet wurde die Künstlerkolonie durch den Schwaaner Franz Bunke, der für seine Landschaftsbilder vielfach ausgezeichnet wurde. Rudolf Bartels, ebenfalls in Schwaan gebürtig, zählt heute zu den bedeutendsten Malern Mecklenburgs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Faszinierend seine Bilder „Kinder mit Laternen“ oder „Obstbaumblüte“. Das intnsive Leuchten der Laternen veranlasste ein kleines Mädchen zu fragen: „Wer macht abends das Licht aus?“, erzählte Museumsleiter Heiko Brunner, der durch die Ausstellung führte. Zu fast jedem Kunstwerk wusste er spannende Geschichten. Großes Erstaunen bei den Gästen über die bedeutenden Schätze, die es in der Kunstmühle Schwaan zu entdecken gilt.

Was wäre ein Besuch Schwaan ohne in „De olle Apteik“ zu gehen? Dort sind besondere Düfte zu schnuppern. Als der Arzneimittelschrank geöffnet wird, entströmt ihm ein desinfektionsmittelähnlicher, scharfer Geruch. Schnell erinnert man sich an seine Kindheit. Roch es nicht immer so beim Arzt oder in der Apotheke? Apotheker Achim Borchwardt und seine Frau Monika haben ihre historische Apotheke aus dem Jahre 1913 liebevoll mit Arneien früherer Zeiten ausgestattet. Viele Packungen sind aus den DDR-Jahren. Man bekommt einen Eindruck, wie kompliziert es war, die Medikamente nach den Rezepten selbst anzufertigen. Einen Salbe darf nicht klumpen! Vorsichtiger Umgang mit giftigen Arzneimitteln. Kleine Gewichte waren erforderlich! Erfüllt von Anregungen und dankbar für eine gut abgestimmte Fahrt kehrte die Reisegesellschaft nach Bleckede zurück.