Schon während der Fahrt stimmte uns Kulturreferentin Thekla Heckerodt mit vielen interessanten historischen Fakten auf unseren Ausflug ein. Die Route führte durch die Göhrde, über Dannenberg und Dömitz mit ihrer Festung, wo uns auch schon die Geschichte Fritz Reuters begegnete, dessen Schicksal später bei unserem Besuch in Ludwigslust erneut eine Rolle spielte: Großherzog Paul Friedrich, der seinerzeit im Schloss Ludwigslust residierte, milderte die Todesstrafe Reuters in eine Haftstrafe ab.
Ludwigslust selbst ist eine vergleichsweise junge Stadt, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Bombenschäden verschont blieb. Ihren Namen erhielt sie 1754 auf Weisung von Prinz Christian Ludwig, der auf dem damaligen Gut Klenow zunächst ein Jagdschloss errichten ließ. Daraus entwickelte sich das heutige Schloss, das wegen seiner beeindruckenden Architektur auch als „Versailles des Nordens“ bezeichnet wird.
Eine besondere Entdeckung erwartete uns im Palais Bülow. Dort erfuhren wir Spannendes über die kunstvolle Verarbeitung von Papier, die in Ludwigslust zu großer Blüte gelangte. Selbst Statuen und Kerzenleuchter wurden aus diesem erstaunlich vielseitigen Material gefertigt und so haltbar gemacht, dass sie bis heute erhalten sind. Bei der Besichtigung durften wir sogar selbst ausprobieren, was sich alles aus Papier gestalten lässt. Ein herzliches Dankeschön an die Familie Leithold, die uns dieses besondere Handwerk mit viel Geduld und Freundlichkeit näherbrachte. Ludwigsluster Luxus – Palais Bülow.
Der absolute Höhepunkt des Tages war das Konzert der Brüder Seng im Goldenen Saal des Ludwigsluster Schlosses. Unter dem Namen Seng2Seng begeisterten die beiden Brüder Daniel und Manuel Seng mit einem außergewöhnlichen Zusammenspiel – ganz ohne Notenblätter!
Daniel Seng spielte auf Zuruf aus dem Publikum Chopin, während sein Bruder Manuel zwischen den klassischen Werken mit eigenen Kompositionen und spontanen Jazzimprovisationen überraschte. Dabei reichten sich die beiden Brüder im wahrsten Sinne des Wortes die Tasten weiter: Klassik und Jazz gingen nahtlos ineinander über, ein musikalischer Einfall, den kaum Jemand vorher gehört hatte!
Das Publikum lauschte gebannt – so still, dass kein anderes Geräusch zu hören war. Alle Zuhörer waren von der Musik gebannt. Den Schlusspunkt bildete ein gemeinsames vierhändiges Spiel, wie schon zu Beginn des Konzerts. Auch die begeistert geforderte Zugabe, ein mitreißendes Medley bekannter Melodien, spielten die Brüder auf diese beeindruckende Weise. Der Applaus wollte kaum enden.
Diese beiden außergewöhnlichen Musiker muss man erlebt haben! Auch auf der Heimfahrt waren sich alle einig: Dieser Tag in Ludwigslust wird nicht nur wegen seiner historischen und kunsthandwerklichen Entdeckungen, sondern vor allem wegen dieses unvergesslichen Konzerterlebnisses in bester Erinnerung bleiben.











