Wanderung über den Jüdischen Friedhof in Bleckede

Am 16.05.2026 trafen sich 37 Besucher aller Altersgruppen, dabei auch Familien mit Kindern, zu einer Führung auf dem Jüdischen Friedhof in Bleckede durch Bodo Christiansen und Henning Bendler. Zu Beginn gab Henning Bendler einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Geschichte des Jüdischen Friedhofes Bleckede und wies die Besucher auf allgemeine möglichst zu beachtende Regeln beim Betreten des Friedhofes hin (auch nichtjüdische Männer werden gebeten, aus Achtung vor den jüdischen Bräuchen auf einem jüdischen Friedhof ihren Kopf zu bedecken).

Der Friedhof wurde 1752 weit außerhalb der Stadt Bleckede auf einer Lichtung in einem Waldgebiet angelegt und ist nach einer geringen Erweiterung 1802 noch heute 1.414 m2 groß. Vorher wurden Juden aus Bleckede und Umgebung auf jüdischen Friedhöfen in Harburg, Prisser und Winsen bestattet. In Bleckede gab es 1792 vielfältiges jüdisches Leben, ca. 6 % der Einwohner Bleckedes waren damals jüdischen Glaubens. Der hoher Anteil jüdischer Bürger war vergleichbar mit Städten wie Hamburg und völlig untypisch im Königreich Hannover. Im jüdischen Glauben ist die Erdbestattung vorgeschrieben und die dauerhafte Totenruhe gilt als verbindlich und steht einer begrenzten Ruhefrist entgegen. Grabsteine sind nach Osten ausgerichtet, ebenso wie die Toten, deren Füße nach Osten (nach Jerusalem) zeigen, damit unmittelbar nach der Auferstehung die Reise in Richtung Jerusalem beginnen kann. Die Grabsteine wurden ab dem 18. Jahrhundert nicht nur in hebräischer Sprache beschriftet, sondern auch in der jeweiligen Landessprache, letzteres in der Regel auf der Rückseite des Grabsteins. Auf der hebräisch beschrifteten Seite des Grabsteins wird nicht nur der Name der Toten genannt, sondern auch der Name ihres Vaters. Der letzte dort bestattete jüdische Mitbürger aus Bleckede war Hermann Hertz am 9. Mai 1935.

Die in der Zeit des Nationalsozialismus umgestürzten Grabsteine wurden nach 1945 wieder aufgestellt. Auf dem Friedhof befinden sich von ursprünglich über 70 heute noch 37 Grabsteine und der heutige Zustand entspricht etwa dem Zustand
von 1952 – 1959 wurde er dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen übergeben. Er ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Der Friedhof wurde mehrfach geschändet, allein in den 1980er Jahren dreimal.

Die heutige Anlage des Friedhofes ist das Ergebnis mehrfacher Zerstörungen nach der Reichspogromnacht 1938, der versuchten Beseitigung der Verwüstungen 1952 (das Halbrund hatte die Gemeinde Bleckede ohne Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde errichtet) und in den 1980er Jahren. Im März 2016 haben sechs 13-15-jährige Schüler einen Teil der Gräber und Grabsteine zerstört: 12 der 37 Grabsteine wurden umgeworfen, Grabplatten mit brachialer Gewalt zerschlagen und Gläser mit Kerzen gegen die Grabsteine geworfen. Erst kürzlich wurde bei Holzfällerarbeiten ein Stein des Halbkreises beschädigt und notdürftig abgestützt. Nach der allgemeinen Einführung gaben Bodo Christiansen und Henning Bendler Erläuterungen zu einzelnen Grabmälern und den dort bestatteten Juden. Von ihnen wurde auch auf Besonderheiten des Jüdischen Friedhofes Bleckede hingewiesen. Auf diesem Friedhof wurden in der hinteren rechten Ecke 4 Tote der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nichtjüdischer Herkunft in zwei Doppelgräbern bestattet: 2 namentlich bekannte 1943/44 in Wendewisch gestorbene Zwangsarbeiterinnen aus der ehemaligen Sowjetunion und 2 namentlich bekannte sowjetische Kriegsgefangene aus dem Marinetanklager Oelhof bei Bleckede, gestorben 1944. Insofern ist der Jüdische Friedhof in Bleckede auch eine Kriegsgräberstätte.

Der Jüdische Friedhof in Bleckede: aus vielen Gründen ein Ort des Erinnerns, des Gedenkens und Lernens.

Weitere Informationen unter: www.judeninbleckede.de