Was macht der Spargel auf dem Ölhof?

Beim heutigen Besuch des Oelhofes haben wir natürlich keinen Spargel mehr gefunden! Was allerdings eher der Jahreszeit geschuldet ist. Und selbst wenn man doch noch welchen entdecken sollte, sollte man unbedingt davon absehen, ihn zu ernten oder gar zu essen! Im Erdreich des Geländes befinden sich nämlich verschiedene Altlasten aus der früheren militärischen Nutzung.

Aber warum findet man dort denn nun überhaupt vereinzelt Spargelpflanzen? Ganz einfach: Bevor das Deutsche Kaiserreich die Ländereien aufkaufte oder teilweise später auch enteignete, wurden die Flächen landwirtschaftlich genutzt – unter anderem für den Gemüseanbau und eben auch für Spargel.

Überhaupt verstand es Henning Bendler, mit viel Witz und zeitgeschichtlichen Anekdoten die Geschichte des Ölhofes und damit verbunden auch einen Teil der Bleckeder Geschichte zu vermitteln. Bereits 1916 begannen die Bauarbeiten für das militärisch genutzte Areal. Zu den ersten Gebäuden gehörte ein Lagerschuppen, der bis heute erhalten ist. An diesem historischen Ort startete auch die Exkursion, bei der Jens Lohmann die Ausführungen ergänzte.

Im Deutschen Reich entstanden zwei Öllager: eines in Achim bei Bremen und eines hier in Bleckede. Ausschlaggebend für die Standortwahl waren vor allem logistische Überlegungen. Gleichzeitig bot die Lage Bleckedes im Landesinneren einen gewissen Schutz. Tatsächlich blieb das Areal von Bombardierungen verschont. Den Alliierten waren die Anlagen durchaus bekannt, sie wussten allerdings auch, dass diese militärisch keine entscheidende Rolle spielten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Anlagen unbrauchbar gemacht und gesprengt. Einige Anlagenteile blieben erhalten, darunter auch Tunnelabschnitte, über die Wege führten. Ihre Spuren lassen sich teilweise noch heute im Gelände entdecken.

Eine besonders interessante Nachnutzung entstand in einem anderen Bereich des Areals: Dort wurden vor einigen Jahren Tunnelanlagen rekonstruiert und als Rückzugsort für Fledermäuse hergerichtet. Durch die gezielt geschaffenen feuchten Bedingungen entstand eines der größten Überwinterungsquartiere für Fledermäuse in Norddeutschland. Ausgerechnet an einem Ort, der an einen unrühmlichen Teil deutscher Geschichte erinnert, ist damit ein wertvoller Lebensraum für Tiere entstanden.

Dass das Gelände heute größtenteils eingezäunt ist, hat gute Gründe. Unter dem Bewuchs verbergen sich noch immer Trümmerreste der damaligen Sprengungen. Scharfe oder spitze Teile, instabile Überreste und verborgene Spalten oder Hohlräume können zur Gefahr werden. Wer hier unbefugt unterwegs ist, riskiert schwere Verletzungen. Die Warnhinweise sind also keineswegs übertrieben! Hinzu kommt, dass Teile des Areals von der Diensthundeschule der Bundespolizei und des Zolls für Ausbildungs- und Übungszwecke genutzt werden.

Wer mehr über dieses geschichtsträchtige Gelände erfahren möchte, dem sei eine Führung mit Henning Bendler und Jens Lohmann ans Herz gelegt. Beide sind echte Bleckeder Urgesteine und beschäftigen sich seit mehr als 20 Jahren mit der Erforschung des Ölhofes. Ihr Wissen und ihre Geschichten machen die Vergangenheit lebendig und zeigen, wie viele spannende Details sich hinter den überwucherten Anlagen verbergen.

Dass das Interesse ungebrochen ist, bewies auch die heutige Wanderung: Mit 30 Teilnehmenden war die Gruppe wieder ausgebucht. Mehr Besucher lassen die örtlichen Gegebenheiten leider nicht zu.

Wer jetzt neugierig geworden ist, muss sich allerdings noch ein wenig gedulden: Die nächste Wanderung ist für die zweite Märzhälfte 2027 vorgesehen. Genauere Informationen werden rechtzeitig über die bekannten Kanäle bekannt gegeben.

Und wer bis dahin mehr über den Ölhof und dieses besondere Kapitel Bleckeder Geschichte erfahren möchte, findet weitere Informationen unter www.oelhof.de.